In meinem Blog finden sich meine Gedanken zu Team- und Lernkultur, Kommunikation und auch ganz persönliche Impulse. Viel Freude beim Lesen und danke für deinen wertvollen Kommentar dazu.

26.02.2023

Verstecke Ängste machen uns zu Monstern

versteckte ngste.png
In meiner Schweigewoche im Sommer 2022 hat mich ein Buch in der Bibliothek dort regelrecht angesprungen:


Angst, Furcht und Scham
Vom befreienden Umgang mit schwierigen Gefühlen
von Harriet Lerner

Das kommt natürlich nicht von ungefähr, da ich mich selbst sehr lange für meine stark ausgeprägte Emotionalität geschämt habe und dachte, mit mir stimme etwas nicht. Für diesen Blogartikel habe ich nun einfach blind irgendeine Seite in diesem Buch ausgesucht, um darüber zu schreiben.

Es ist Seite 100 geworden, in der es um eine Frau geht, die fürchtet das „Angst-vor-Erfolg-Syndrom“ zu haben. Das Impostor-Syndrom – schon wieder hüpft mir das vor die Nase.

Im Fall der jungen Frau war diese lange nicht fähig, ihre Doktorarbeit zu beenden und als sie es letztendlich doch geschafft hatte und sich überlegte, diese sogar zu veröffentlichen, bekam sie Schmerzen in der Brust und dachte, dass es das nun für sie war. Diese Geschichte hat mich beim erstmaligen Lesen fasziniert, weil ich eine starke Verbindung mit der Frau spürte. Auch sie ist in einer „Arbeiterfamilie“ aufgewachsen. Auch in ihrer Familie war Klugheit eher negativ behaftet. Sie war wie ich die Erste, die studierte. 

Es hat mir geholfen, in diesem Buch etwas über versteckte Ängste zu lesen. Die versteckten Ängste ihrer Mutter, dass sie sich für etwas Besseres halten und sich für sie schämen könnte. Im Grunde ist es die Angst, dass sich etwas an der Mutter-Tochter-Beziehung verändert.


„Jeder hat Angst davor, etwas Neues zu lernen oder neue Verhaltensweisen anzunehmen, die alte Überzeugungen und wichtige Beziehungen verunsichern können.“ S. 104

Das ist ein Teufelskreis. Aus Angst vor Veränderung verhalten wir uns destruktiv; vor allem in engen Beziehungen wie zu Eltern oder Partner:innen. Für Außenstehende ist das oft deutlich zu erkennen. Betrifft es uns allerdings selbst, sind wir meist blind und es artet in Schuldzuweisungen und Unverständnis und manchmal sogar Erniedrigung aus. 

Erst nachdem ich mich intensiv mit mir befasst und dieses Buch gelesen habe, ist mir klar geworden, dass auch in meiner Beziehung zu meinen Eltern sehr viel versteckte Ängste zu unschönen Gefühlen zwischen uns geführt haben. Und letztendlich hatten wir uns dadurch voneinander entfernt. Im Grunde passiert also genau das, was wir befürchten, wenn wir nicht in der Lage sind, zu erkennen, was in uns wirklich vorgeht und dies dann auch gut zu kommunizieren.

Ich bin nun 46 Jahre alt und die Wunden sitzen tief. Manchmal falle ich in alte Muster zurück und das Gefühl kommt wieder hoch, dass mich niemand liebt und dass ich nicht gut genug bin. Und aus diesem unschönen Gefühl heraus, verletze ich ungewollt genau diejenigen, die mir am meisten bedeuten. Sich das bewusst zu machen und sich auch entschuldigen zu können, ist wichtig, damit das Monster Angst nicht die Oberhand gewinnt.

Ob das auch im Arbeitskontext relevant ist?

Manche Menschen triggern unbewusst genau die Verletzungen oder Ängste in uns, die wir vielleicht aus dem Elternhaus mitgebracht haben. Es lohnt sich sehr genau hinzuschauen, warum wir manche Menschen ablehnen. Wenn du dich über eine Person sehr oft aufregst, dann guck unbedingt tiefer in dich hinein. Möglicherweise erinnert sie dich an jemanden und kann im Grunde gar nichts dafür, dass sie dich so ärgert.


Mein Fazit:
Wir alle haben versteckte Ängste und manchmal verletzen wir Andere, weil wir nicht in der Lage sind, die Ängste zu erkennen und unsere Gefühle klar zu äußern. Deshalb lohnt es sich, sich mit gewaltfreier Kommunikation und Transaktionsanalyse zu befassen und vor allem genauer hinzuschauen, was in dir selbst vorgeht, was du fühlst, warum du es fühlst. Dazu schreibe ich alsbald mehr. 

Im Blogpost „Ich sag den Selbstzweifeln tschüssikowski“ findest du ein paar meiner Strategien, wie ich versuche, den Impostor zu besiegen.

Sandra - 12:32 @ Persönliche Impulse | 1 Kommentar

  1. Zwingy

    27.02.2023

    Danke für wiedereinmal sehr persönlichen Post. Ich denke auch öfter über meine Trigger nach, weil ich mehr in mich lausche. Das klappt nicht immer und auch “tappe” oft genug in Fallen, welche ich eigentlich dachte überwunden zu haben

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